Sonntag, 20. Februar 2011

American Beauty

„Der ironische Blick hinter die äußerlich glänzende Fassade von Kleinstadt-Amerika wird durch eine komplementäre Erzählebene anteilnehmend und mit neugieriger Sensibilität zu einem komplexen und hintergründigen Menschen- und Generationsporträt ausgeweitet. Ein höchst bemerkenswerter Erstlingsfilm, der stilistisch und darstellerisch gleichermaßen überzeugt.“


Diese Kritik bringt es eigentlich genau auf den Punkt!

Nun aber zu meiner eigenen kleinen Kritik:


„In weniger als einem Jahr bin ich tot. Natürlich weiß ich das jetzt noch nicht.“

So fängt der Film an. Eine nette Ankündigung, die durch den zweiten Satz an Schärfe verliert, da man nun eher schmunzelt.


Lester führt mit seiner Familie ein ganz normales Leben im eigenen Haus, in einer beschaulichen kleinen Nachbarschaft.

Apropos Nachbarschaft, ins Haus nebenan zieht eine weitere, vollkommen normale Familie.

Man sieht, nach außen ist alles normal. Intern brodelt es jedoch mächtig!

Lester ist unzufrieden mit seinem Leben. Sein Job macht ihm keinen Spaß, seine Frau hat er offenbar schon sehr sehr lange nicht mehr nackt gesehen, seine Tochter hasst ihn. Er hat anscheinend nichts im Leben, das ihn erfreut.

Die Nachbarn haben ebenfalls ihre Probleme. Der Sohn treibt illegale Geschäfte mit Drogen, die Mutter ist vollkommen neben der Spur und der Vater ist ein recht radikaler Ex-Soldat, dessen Hass gegen Schwule offensichtlich wird.

Nach und nach beginnt die Fasade um die heile Welt zu bröckeln. Zunächst wird Lester langsam aber sicher scharf auf die Freundin seiner Tochter. Er träumt sogar von ihr.

Die Tochter und der Nachbarsjunge kommen sich immer näher und verlieben sich schließlich.

Lesters Frau treibt es wild mit einem Kollegen und erhofft sich daraus einen Aufstieg in ihrer Karriere.

Lester selbst verliert seinen Job, was ihm jedoch gelegen kommt, da er dabei seinen Chef erpresst und eine Menge Geld abstauben kann. Da er aber eine Beschäftigung möchte, arbeitet er in einem McDonalds ähnlichem Restaurant, wo er dann am Drive-Through seine Frau mit ihrem Liebhaber erwischt.

Das große Finale sieht so aus, dass Lester mit der jungen Schönheit schlafen möchte, dies aber nicht tut, da diese noch Jungfrau ist. Seine Tochter macht es sich mit dem Nachbarsjungen gemütlich und seine Frau ist auf dem Weg nach Hause. Nachdem ihr Liebhaber die Affäre beendet hat, möchte sie Lester erschießen.

Dabei kommt ihr jedoch der, mittlerweile als schwul enttarnte, Nachbar zuvor. Da dieser Lester geküsst hat und nun wohl seinen Stolz und das Geheimnis waren möchte, sieht er anscheinend keine andere Möglichkeit als Lester zu töten.

Eine sehr drastische Lösung, wie ich finde!

Lester ist über seinen Tod allerdings nicht traurig oder gar wütend: Er ist dankbar für jeden Moment seines „dummen, kleinen Lebens“.


Ja, in der gezeigten Zeit in Lesters Leben schien er mit zunehmender Dauer immer glücklicher zu werden. Er hat es geschafft aus seinem kleinen, normalen Leben auszubrechen und einfach das zu tun, was ihn eben glücklich macht. Die Beziehung zu seiner Tochter scheint ebenfalls auf dem Weg der Besserung gewesen zu sein.

Angefangen hat dieser Ausbruch wohl mit der Begegnung mit dem Nachbarsjungen, der Lester mit Drogen versorgt hat. Ironischer Weise führt diese Beziehung auch zum Tod von Lester, denn beim Deal werden die beiden vom schwulen Ex-Soldaten beobachtet, der durch seinen Blickwinkel ein vollkommen falschen Bild von der Szene bekommt. Er nimmt an, dass sein Sohn schwul ist und Lester ein wenig „verwöhnt“ hat. Daraufhin geht er zu Lester und küsst diesen. Offensichtlich ist er also selbst schwul und kann nicht damit umgehen. Ich nehme an dass er so große Angst hat, dass das raus kommt, dass er nur noch den Ausweg sieht, dass er Lester erschießen muss.

Ich persönlich kann das nicht so wirklich beurteilen, aber der Film zeigt uns, dass eine kurze Phase im Leben reicht, um wirklich glücklich zu sein. Lester bereut anscheinend nichts, er ist glücklich darüber, dass er am Ende noch eine so schöne Zeit hat.

Das ist doch mal eine hoffnungsvolle Botschaft!



Fazit

Ein sehr erfrischender Film, der die angeblich heile Welt zeigt und wie sie wirklich ist. Ebenso wird der Ausbruch aus dieser Traumwelt gezeigt und wie schön dieser sein kann.

Der Film ist kurios, lustig und durchweg unterhaltsam.

Kevin Spacey spielt überragend! Man kauft ihm sein tristes Leben am Anfang genau so ab, wie die Wende zum Glücklich sein. Super!


8/10


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