Meine Erwartungen waren extrem hoch! Und eines vorweg, sie wurden noch übertroffen!
Das Intro ist direkt der Hammer, damit hatte der Film bei mir schon gewonnen! Ein Film im Film im Film, mit flotten Dialogen und einer Klatsche für die aktuell als Horrorfilm verkleideten „Folterpornos“ (Wie exemplarisch Saw IV bezeichnet wird).
Scream 4 strotzt nur so vor Zitaten und Anspielungen auf Horrorklassiker und vor allem auch auf sich selbst und seine Vorgänger.
Man spürt, dass es ein Remake, ein Reboot und auch eine Fortsetzung ist, weil die Regeln für alle drei eingehalten werden. Deutlich wird das daran, dass es für jeden alten Charakter ein Junges Gegenstück gibt. Einer Staffelübergabe steht also nichts im Weg.
Hier kommt aber der für mich beste Aspekt des Films: Scream 4 will kein Reboot und kein Remake sein und schon gar nicht soll es zu einer Staffelübergabe kommen! Schon seit Scream 2 werden Filmfortsetzungen kritisiert. Ebenso kritisch wird die Art und Weise von Fortsetzungen, vor allem im Horrorgenre, gesehen. Die "make it dark, make it more gritty and more realistic“-Remakes, die Freddy, Jason, Leatherface und viele andere klassische Horrorikonen über sich ergehen lassen mussten, sind nicht das, was sich die Köpfe hinter Scream wünschen. Scream 4 weigert sich schreiend dagegen sich zu ändern, viel mehr ist er der Horrorklassiker, den es leider seit Jahren nicht mehr gab. Ghostface greift daher nicht auf eine Kettensäge oder übernatürliche Kräfte zurück, er nutzt schlicht dass gute alte Messer als Mordinstrument.
Der Film spielt also im Kleinen sowie im Großen mit den Erwartungen des Zuschauers und vernichtet diese eiskalt. Ein kleines Beispiel, was nun durchaus einen SPOILER beinhaltet: Der Junge mit der Kamera an Headset hat die Kamera in einer Szene aus Versehen nach hinten gerichtet und schaut dann per iPhone nach, ob sein ständig geschalteter Livestream funktioniert. Jeder, aber wirklich jeder erwartet doch nun, dass er Ghostface von hinten kommen sieht, es aber zu spät realisiert. Stattdessen passiert... nichts. Doch dann geht die Haustür auf und Ghostface kommt aus dem Haus. Genial!
Kommen wir zurück zur Staffelübergabe: Alles scheint nur dafür vorbereitet. Sidney, Gale und Dewey verkommen (wohl absichtlich) hauptsächlich zu Beobachtern. Die neue Generation steht im Mittelpunkt, allen voran Kirby (Hayden Panettiere), die ihre Rolle super spielt und die meiste Sympathie auf sich zieht. Facebook, iPhone und Co. werden von dieser jüngeren Generation eifrig genutzt, jedoch werden diese Begriffe nur selten genannt und wirken irgendwie fremdartig. Auch hier wehrt sich Scream 4 gegen Veränderungen und will nicht mit dem Strom schwimmen. Anstatt seine berühmte Frage per Twitter zu stellen, will Ghostface lieber am Telefon erfahren, was der Lieblingshorrorfilm seines Opfers ist.
Man wartet also nur darauf, dass Gale und Dewey gemeuchelt werden und Sidney im Finale auf traurige Weise ums Leben kommt.
UND JETZT KOMMEN WIR IN EINEN BEREICH, DER EXTREME SPOILER ENTHÄLT!!!
SPOILER!!!!
An dieser Stelle zeigt Scream 4 dem Reboot-Wahn endgültig den Stinkefinger! Die zweite Generation gibt komplett den Löffel ab und nur die alten Hasen überleben. Es geht sogar so weit, dass Sidney ihre jüngere Version mit einem Defibrillator schockt und erschießt.
Der (letzte) Satz des Filmes, der im Nachhinein den Grundton des gesamten Werkes darstellt, ist:
"You forgot the first rule of remakes; don't fuck with the original! "
Was mir noch aufgefallen ist:
War Scream die Feststellung, das Medien Gewalt hervorrufen, so ist Scream 4 der Umkehrschluss, dass Gewalt auch Medien hervorruft.
Jill, Sidneys Cousine, als „Finale Girl“ ist die Sidney des 4. Teils, gleichzeitig aber auch der Killer. Sie will Sidney töten um selbst Berühmtheit zu erlangen. Lustigerweise ist Emma Roberts (Jill) die Nichte von Julia Roberts. Man könnte also sagen, dass sie mit dieser Rolle versucht Julia zu töten und selbst berühmt zu werden. Natürlich nur im übertragenen Sinne.
Screamakes ist ein geniales Wort ^^
Einen riesen Witz macht die FSK. Während die ersten drei Teile nur extrem geschnitten sind und noch nicht einmal einen Schnitt in den Arm zeigen dürfen, bekommt Scream 4 trotz einem deutlich gezeigten Schnitt durch die Kehle und weiteren, recht heftigen Szenen eine Freigabe ab 16. Das verstehe wer will.
Für mich ist Scream 4 der bisherige Film des Jahres! Je länger man darüber nachdenkt, desto genialer wird der Film, da der Stinkefinger an die ständige wachsende Zahl der Reboots und Remakes erst dann wirklich zu erkennen ist. Scream wehrt sich mit allem gegen diesen Wahn und ist trotzdem oder gerade deswegen eine Bereicherung für jeden Horrorfan.
Dieses Meisterwerk verdient nicht weniger als:
10/10